Weiter Kontroverse um PCR-Test – Meldeproblem in Österreich und zu hohe Treffer in USA

In Österreich wird zunehmend privat getestet, die Labors sind ziemlich überlastet. Gemeldet werden aber nur die positiven Fälle, für negative wird Verschwiegenheit garantiert. Damit ergibt sich eine zu hohe Rate an positiven, in welchem Ausmaß ist unklar. In den USA sollen bis zu 90 Prozent der Menschen, bei denen das Coronavirus diagnostiziert wurde, eine zu geringe Virenlast haben, um andere anzustecken, so Studienergebnisse.

In der Grafik oben sieht man, dass ab Ende Juni in Österreich der Anteil der positiven Tests den aus Deutschland deutlich sogar bis zum Faktor 3 übersteigt. Davor waren die Positivraten etwa gleich, in Deutschland  zeitweise sogar etwas höher.

Anfang Juli begann die Tourismussaison, Grenzen wurden geöffnet und Österreich wollte mit vermehrten Tests den Touristen mehr Sicherheit gegen Infektion bieten. Die Folge lässt sich in der Grafik ablesen, denn gemeldet werden bei privaten Test laut Epidemiegesetz nur die positiven Ergebnisse. Die negativen Ergebnisse erfahren nur die privaten Auftraggeber, wie ein Rundruf bei den Laboren ergab. In den Geschäftsbedingungen verpflichten sich die Labors sogar zur Vertraulichkeit und Einhaltung der Datenschutz-Richtlinien.

Auch das Gesundheitsministerium bestätigt auf Anfrage nur die Meldung der positiven Tests in das Epidemiologische Meldesystem (EMS).  Das teilt das Gesundheitsministerium auf meine Anfrage mit:

Es gilt immer zu unterscheiden, ob es sich um einen Test im Zuge eins Screenings handelt (z.B. Sportclub) oder um die behördlich angeordnete Testung eines Verdachtsfalls bzw. einer Kontaktperson.

Jede positive Probe – ob durch Screening oder Behörde – wird im EMS eingemeldet. Negative Proben werden nur bei behördlich angeordneten Testungen ins EMS gemeldet.

Lediglich negative Screening-Proben werden nicht gemeldet – darunter fallen die von Ihnen erwähnten freiwilligen Mitarbeitertestungen von Firmen, Vereinen, Sportclubs etc.“

Schon erstaunlich, dass die Verantwortlichen dieser Zahl nicht interessiert, ist doch die Positivenrate ein wichtiger Indikator, ob Infektionen zunehmen oder nicht. Wichtiger jedenfalls als die absolute Zahl der positiven Tests.

Damit ist offenbar die Gesamtzahl der gemeldeten Tests niedriger als die Zahl der tatsächlich durchgeführten und dadurch die Positivenrate zu hoch.

Der Anstieg Mitte August und eine Reisewarnung

Mitte August erfolgte die schlagartige Verkündigung der Reisewarnung für Kroatien. Parallel dazu wurde beim Wiener Praterstadion die Teststraße eröffnet, die recht häufig frequentiert wurde. Einige Institutionen bieten mittlerweile auch den weniger unangenehmen Gurgeltest an – Abholung und Abgabe im Container auf der Straße vor dem Labor.

Die Folge dieses Runs auf den PCR-Test ab Mitte August lässt sich auch aus dem Chart ablesen: ab Mitte August steigt die Positivenrate. In Deutschland bleibt sie dagegen ziemlich konstant bei 0,6 bis 0,9 Prozent, in Österreich erreicht sie bis zu 2,8 Prozent.

Daraus eine höhere Infektionshäufigkeit oder -gefahr abzuleiten wäre offensichtlich falsch, denn der höhere Anteil der positiven Tests entsteht durch die Nichtmeldung vieler negativer Ergebnisse.

Kritik an Falschaussagen des Tests in USA

Der Test sollte in erster Linie feststellen, ob jemand infektiös ist, ob die Gefahr einer Übertragung auf andere Personen besteht. Aber bis zu 90 Prozent der Menschen, die im Juli in Massachusetts, New York und Nevada auf COVID-19 getestet wurden, trugen kaum Spuren des Virus in sich, heißt es in einem neuen Bericht der New York Times.

Gesundheitsexperten sagen, dass PCR-Tests – der am weitesten verbreitete diagnostische Test für COVID-19 in den USA – zu empfindlich sind und angepasst werden müssen, um Menschen auszuschließen, die unbedeutende Mengen des Virus in ihrem Körper haben und daher nicht ansteckend sind.

PCR-Tests analysieren die genetische Substanz des Virus in Zyklen, und die heutigen Tests dauern in der Regel 37 bis 40 Zyklen, aber Experten halten dies für zu hoch, da damit auch kleinste Mengen des Virus oder nicht reproduktionsfähige Virenfragmente nachgewiesen werden, die keinerlei Risiko darstellen.

Der PCR-Test amplifiziert die genetische Substanz des Virus in Zyklen; je weniger Zyklen erforderlich sind, desto größer ist die Virusmenge bzw. die Viruslast in der Probe. Je höher die Viruslast, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Patient ansteckend ist.

Diese Anzahl von Amplifikationszyklen, die erforderlich sind um das Virus zu finden, die so genannte Zyklusschwelle, ist in den Ergebnissen, die Ärzten und Coronavirus-Patienten zugesandt werden, nie enthalten, obwohl sie ihnen Aufschluss darüber geben könnte, wie infektiös die Patienten sind.

Geänderte Regeln für Tests

Kürzlich änderte die US Gesundheitsbehörde CDC ihre Richtlinien, die nun besagen, dass man keinen Test mehr benötigt, wenn man Kontakt zu infizierten Personen hatte aber keine Symptome zeigt. Zuvor hatte die Agentur noch empfohlen, sich nach jedem engen Kontakt mit jemandem testen zu lassen, der nachweislich mit COVID-19 infiziert war.

Davor war schon die Notwendigkeit eines Tests am Ende der Quarantäne gestrichen und die Zeitdauer auf 10 Tage reduziert worden. Die Behörde geht davon aus, dass nach 7 Tagen keine Infektiosität mehr vorliegt.

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2 Kommentare zu „Weiter Kontroverse um PCR-Test – Meldeproblem in Österreich und zu hohe Treffer in USA

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