Corona Reporting nach Schweizer Art – mehr „Fälle“ aber weniger Hospitalisierungen

Die Schweiz neigt generell zu Präzision wie ihre Bahnhofsuhren. Dementsprechend sieht auch die Corona-Berichterstattung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) aus. Übersichtlich aufbereitete Tages- und Wochenberichte mit aussagekräftigen Grafiken, geben Fachleuten und Laien einen raschen Überblick über die aktuelle Lage und das Geschehen.

Es werden auch nicht Daten einzeln berichtet, wie zum Beispiel in etwa das was das österreichische Gesundheitsministerium „Epidemiologische Kurve“ nennt, obwohl es nur die positiven Ergebnisse der Tests sind. Das Schweizer BAG berichtet diese in Zusammenhang mit den Tests. Man sieht also, dass sich die Zahl der „Fälle“ auch mit Zunahme oder Abnahme der Testanzahl verändert. Aber es ist dann auch sofort die Veränderung in den Prozentsätzen der Positivrate ersichtlich, was wesentlich mehr aussagt, als absolute Zahlen.

Dazu gibt es auch gleich den Hinweis, dass pro Person mehrere Tests gemacht und gemeldet werden und die Zahl positiver Tests größer als die Zahl der getestete Personen ist. Ist das in Österreich auch so? Und in Deutschland? Leider keine Angaben. Relativiert natürlich steigende Fallzahlen.

Besonders nützlich ist auch der Bericht über die Epidemiologische Lage, in dem alle wichtige Daten auf einen Blick sichtbar sind. Und hier wird erkennbar, dass die Fallzahlen zwar ansteigen, die Hospitalisierungen flach sind und im Moment sogar wieder leicht fallen, ebenso die Todesfälle.

Angenehm fällt auch die sprachliche Präzision auf. Es ist von Fallzahlen und positiv getesteten Personen die Rede, jedoch nicht von Infektionen, Inzidenzen oder gar von Erkrankungen. Der PCR-Test spricht bekanntlich nicht auf Viren selbst an, sondern nur auf dessen charakteristische Bestandteile. Eine kurzzeitig eingeatmete Virenlast, die sogleich vom Immunsystem geschreddert wird und daher zu keiner Infektion geführt hat, lässt den PCR Test ansprechen und ein positives Ergebnis anzeigen, obwohl keine Infektion und schon gar keine Erkrankung vorliegt.

Die Frage ist auch, was die Schweizer Zahlen bedeuten. Antikörperstudien haben für den Kanton Genf im Mai Werte von 10 bis 12% ergeben, In Zürich waren es im April bei 1,6%. Jetzt soll eine größere Studie beginnen und im Oktober abgeschlossen werden.

Der angepasste IFR liegt bei ungefähr 0,32%. Bei rund 200 Todesfällen pro Million, ergibt sich also etwa eine Durchseuchung von 6,25%, wobei diese lokal doch deutlich höher sein wird, wie das auch in anderen Ländern der Fall ist. In den Hotspots Tessin und Genf ist wahrscheinlich schon Herdenimmunität in der Gegend von 15 bis 20 Prozent erreicht, in anderen Kantonen ist man noch einigermaßen weit davon entfernt. Grundsätzlich sind derzeit auch die jüngeren Bevölkerungsgruppen vor allem zwischen 15 und 29 Jahren betroffen. Warum das gut ist , haben wir hier erklärt:

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