Studien und ihre Wiedergabe in Medien – die Verkehrung ins Gegenteil in der New York Times

Mittlerweile gibt es schon über 50.000 Studien zum Thema SARS-CoV-2 und Covid-19. Nicht eben wenige werden in Medien rezipiert, wie zum Beispiel hier. Oft aber von Redakteurinnen und Redakteuren, die keine naturwissenschaftliche oder medizinische Vorbildung haben. Und dann kommt gelegentlich das Gegenteil dessen heraus, was in der Studie steht.

So ärgert sich Prof. Francois Balloux, UCL Genetics Institute; University College London, auf Twitter:

Papier: „Unsere Studie … schätzt ein geringes Übertragungspotenzial von Kindern auf Haushaltsmitglieder“.
Journalistin: Nach der Behauptung, dass Kinder mehr übertragen als Erwachsene, „Dies ändert nichts an der Gesamtschlussfolgerung“.
Das ist ein bisschen deprimierend!

Balloux

Laut New York Times:

„Eine im vergangenen Monat in Südkorea durchgeführte Studie von Forschern ergab, dass Kinder im Alter zwischen 10 und 19 Jahren das Coronavirus häufiger verbreiten als Erwachsene – ein weit verbreiteter Befund, der die Debatte über die Risiken der Wiedereröffnung von Schulen beeinflusst hat.“

Laut Studie:

Unsere Studie fasst die Übertragungsdynamik innerhalb der Haushalte aus den ersten 107 pädiatrischen COVID-19-Indexfällen in Korea zusammen und schätzt das Übertragungspotenzial von Kindern auf Haushaltsmitglieder als gering ein. Bisher haben nur sehr wenige Studien über Familiencluster berichtet, die Daten über die Übertragung im Haushalt präsentierten, als der Indexfall ein Kind war. Nach unserem Kenntnisstand ist dies die erste Studie, die ausschließlich das Übertragungsrisiko aus dem Haushalt anhand der pädiatrischen COVID-19-Indexfälle untersucht hat.“

Der Artikel wurde auf Facebook 400.000 Mal geteilt und hatte einen großen Einfluss darauf, wie mit Schulschließung und -öffnung umgegangen wird. Nachdem es auf Twitter eine Diskussion mit der Journalistin gab, wurde eine Korrektur veröffentlicht, die 1.000 Mal auf Facebook geteilt wurde. Der erste Artikel wurde von vielen anderen Medien aufgegriffen, die Korrektur aber nur minimal.

Die Ergebnisse der Studie

Insgesamt wurden 107 pädiatrische COVID-19-Indexfälle und 248 ihrer Haushaltsmitglieder identifiziert. Nur ein einziges Paar pädiatrischer Index-Sekundär-Haushaltsfälle wurde identifiziert, was eine sekundäre Ansteckungsrate im Haushalt von 0,5% ergab. Der Indexfall wurde nach einer internationalen Reise zu Hause selbst unter Quarantäne gestellt, blieb in ihrem Zimmer, teilte sich aber mit dem Sekundärfall einen Esstisch.

Der 16 Jahre alte Indexfall war am 19. März aus dem UK nach Korea zurückgekehrt, hatte am 21. März Symptome entwickelt und wurde am 22. März 2020 positiv getestet und isoliert. Zwischen dem 19. und 21. März wurde der Indexfall in ihrem Zimmer selbst unter Quarantäne gestellt, doch teilte sie sich mit der Familie zu den Mahlzeiten denselben Tisch. Ihr jüngeres Geschwisterkind (der Sekundärfall) im Alter von 14 Jahren meldete am 23. März Symptome und wurde positiv getestet. Der Sekundärfall hatte außer dem Indexfall keine andere Expositionsgeschichte gegenüber COVID-19. Die Expositionszeit betrug 2 Tage während der präsymptomatischen Periode und 1 Tag während der symptomatischen Periode des Indexfalles. Ihre Eltern waren am 14. Tag nach der letzten Exposition gegenüber dem Sekundärfall nicht infiziert.

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