Kinder brauchen normalen Schulbetrieb und gefährden niemand

In Deutschland öffnen die Schulen wieder und es gibt einige Diskussion darüber, ob 10-Jährige Kinder nur mit Masken die Schule besuchen und am Unterricht teilnehmen dürfen, wie von Behörden in NRW vorgeschrieben. Experten äußern an der Sinnhaftigkeit heftige Zweifel, da Kinder weder von Corona-Infektionen gefährdet werden noch sie selbst verbreiten, aber großen Schaden durch Isolation und ausgefallenen Unterricht nehmen.

Bereits seit März ist bekannt, dass das Erkrankungs- und Übertragungsrisiko bei Kindern im Falle von Covid19 minimal ist. Hauptgrund dafür dürfte eine vorbestehende Immunität sein durch den häufigen Kontakt mit bisherigen Coronaviren (d.h. Erkältungsviren). Für die Schließung von Grundschulen, Kindergärten und Kitas sowie für besondere Schutzmaßnahmen in Schulen gab und gibt es deshalb keinen medizinischen Grund.

Kinder wollen mehrheitlich zur Schule gehen und brauchen Sozialkontakte und persönlichen Kontakt zu ihren Lehrern. Digitaler Unterricht ist auch in ihrer Wahrnehmung kein Ersatz.

Die psychosozialen Folgen der Coronamaßnahmen sind enorm

Die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat sich während der Corona-Pandemie vermindert, sie berichten vermehrt von psychischen und psychosomatischen Auffälligkeiten. Betroffen sind vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien. Das sind die wesentlichen Ergebnisse der sogenannten COPSY-Studie, in der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht haben. Dafür befragten sie zwischen 26. Mai und 10. Juni über 1000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren und mehr als 1500 Eltern per Online-Fragebogen.

„Die Studie hat gezeigt, dass die Herausforderungen der Pandemie und die damit im sozialen Leben einhergehenden Veränderungen die Lebensqualität und das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen verringern und das Risiko für psychische Auffälligkeiten erhöhen. Die meisten Kinder und Jugendlichen fühlen sich belastet, machen sich vermehrt Sorgen, achten weniger auf ihre Gesundheit und beklagen häufiger Streit in der Familie. Bei jedem zweiten Kind hat das Verhältnis zu seinen Freunden durch den mangelnden physischen Kontakt gelitten“, sagt Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der Studie und der Forschungsgruppe „Child Public Health“ der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.

Der Direktor der US CDC, Robert Redfield, erklärte in einem Vortrag, dass die Anzahl der zusätzlichen Selbstmorde und Drogentoten bei Jugendlichen in den letzten Monaten “weitaus größer” gewesen sei als die Covid-Todesfälle.

Kaum Infektionen in Verbindung mit Kindern

Im Bundesland Sachsen wurde eine umfangreiche Erhebung der Infektionslage in den Schulen durchgeführt. Am 03.08.2020 stellte der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Prof. Wieland Kiess gemeinsam mit dem sächsischen Kultusminister Christian Piwarz (CDU) die Ergebnisse der Basiserhebung vom Mai/Juni 2020 vor.

Die Infektionslage in den untersuchten sächsischen Schulen war zum Untersuchungszeitpunkt unbedenklich. Es wurden unter 2599 Probanden keine aktiven Infektionen gefunden.

  • Die Seroprävalenz ist mit 0,6% sehr niedrig. Somit ist davon auszugehen, dass bisher nur wenige SchülerInnen oder LehrerInnen mit dem SARS-CoV-2 infiziert waren.
  • Es scheint eine leicht höhere Infektionsrate bei Erwachsenen im Vergleich zu Kindern zu geben.
  • Jüngere Kinder scheinen weniger häufig infiziert zu sein als ältere (Jugendliche).
  • Es gibt keine relevanten Unterschiede beim Vergleich der ausgewählten Untersuchungsregionen.

Die Studie folgert, dass es angesichts der aktuellen Datenlage richtig ist, die Schulen in Sachsen wieder zu öffnen und unter Kontrolle die Hygienemaßnahmen zu lockern, um sich wieder einem normalen Schulalltag anzunähern.

Die Medizinische Fakultät der TU Dresden und Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus hatten im Mai 2020 eine Studie zur Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus an sächsischen Schulen durchgeführt. Von den 2045 untersuchten Blutproben ließen sich in 12 zweifelsfrei Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus nachweisen. Damit lag der Immunisierungsgrad in der Gruppe der Studienteilnehmer bei deutlich unter einem Prozent (0,6 Prozent) und fällt geringer aus als prognostiziert.

Die Wissenschaftler um Studienleiter Prof. Reinhard Berner, Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, ziehen ein positives Fazit, die dynamische Verbreitung des Virus in Familien betreffend. Diese wurde offenbar bisher überschätzt. Denn in 24 Familien der Studienteilnehmer gab es mindestens einen bestätigten Corona-Fall, aber nur bei einem der Probanden ließen sich Antikörper nachweisen.

In drei der untersuchten Schulen gab es bestätigte Corona-Fälle. Dennoch waren bei den Lehrern und Schülern der betreffenden Einrichtungen nicht überdurchschnittlich mehr Antikörper nachweisbar, was darauf schließen lässt, dass sich die Schulen nicht zu Hotspots entwickelt haben.

Mittlerweile haben aber andere Studien gezeigt, dass es bei einem relativ hohen Prozentsatz von Kindern und Jugendlichen eine Kreuzimmunität gegen SARS-Cov-2 durch Infektion mit den gewöhnlichen Corona-Erkältungsviren gibt. Eine britische Studie fand kreuzreaktive gegen SARS-CoV-2 wirksame Antikörper bei 62% der 6- bis 16-jährigen. Kein Wunder, dass bei Kindern und Jugendlichen so wenig Infektionen feststellbar sind,

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Bild: Pixabay

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