Corona Rätsel Asien – wenig Infektionen und kaum Todesfälle dank verbreiteter Immunität?

Herausragend in Südostasien sind Vietnam und Kambodscha, beide ohne Todesfälle, erstere mit, zweitere ohne Lockdown, sowie Laos ebenfalls ohne Todesfälle. Und insgesamt ist die Mortalität in den Ländern Südostasiens trotz einer Bevölkerung von 2314 Millionen gegenüber 601 Millionen Menschen in Europa weit geringer wie das Chart oben zeigt. Eine weit verbreitete Immunität durch Infektionen mit 100 eng verwandten SARS-ähnlichen Coronaviren scheint der Grund zu sein.

Nicht nur drei Länder mit Null Todesfällen zeigen eine hohe Resistenz gegen das gerade virulente Coronavirus, auch China (3 Todesfälle pro Million), Japan (8), Südkorea (6), Hongkong (2), Malaysia (4), Indonesien (17), Thailand (0,8), Brunei (7), Philippinen (18) und Myanmar (0,1) haben nur ganz geringe Todesfallzahlen.

Die Gründe dafür sind rätselhaft, noch dazu wo es in den meisten Ländern keinen Lockdown oder nur regional und generell eher begrenzte Maßnahmen gab. Selbst in China gab es den Lockdown ja nur in Wuhan und der zugehörigen Provinz Hubei.

Es muss also andere Gründe geben. Eine der möglichen Theorien ist eine bessere Gesundheit und damit ein stärkeres Immunsystem. Fettleibigkeit, einer der recht massiven Risikoparameter, ist jedenfalls weit weniger verbreitet als in Europa und USA. Japan kann hier für die ganze Region stehen mit schlanken 4 Prozent gegenüber den USA mit fetten 40 Prozent.

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Aber wie in dem Chart zu sehen, ist Fettleibigkeit auch in Europa noch nicht so stark verbreitet, dass es der Grund für diesen riesigen Unterschied in der Mortalität sein könnte. Ein Blick nach Japan, wo 29 Prozent der Bevölkerung über 65 sind und 2,3 Millionen zwischen 90 und 100 Jahre alt sind, gibt einen Einblick über Hintergründe. Gerade die Älteren ernähren sich noch nach der traditionellen klassischen Küche mit viel Gemüse, Sojagerichten, Fisch, Seetang und Reis. Das hält gesund und macht widerstandsfähig gegen alle Arten von Viren, Bakterien und Infektionen.

Ein Teil der Länder gehört zu den ärmsten Ländern der Welt mit beengten Wohnverhältnissen. In der medizinischen Versorgung kann man sich die in den reichen Ländern übliche Apparatemedizin und den raschen Einsatz von Medikamenten gar nicht leisten. Die Folge davon ist aber auch, dass kaum Antibiotika-Resistenzen bestehen und den Menschen mit leichtfertiger Gabe von Antibiotika das Mikrobiom im Darm nicht kaputt gemacht wurde. Und dort sitzen 90% unseres Immunsystems.

Immunität durch frühere Infektionen mit SARS-ähnlichen Coronaviren

Das allein reicht aber kaum aus um diese krassen Unterschiede zu erklären. Null Todesfälle in Vietnam, Kambodscha und Laos? Vielleicht ist die Bevölkerung dieser Länder nicht so immunologisch „naiv“ wie angenommen. „Einige glauben, dass die Ursprünge des Virus überhaupt nicht in China zu finden sind, sondern nur jenseits der Grenze in Myanmar, Laos oder Vietnam.“ schreibt der Economist.

Dies ist die Vermutung von Peter Daszak, Leiter der EcoHealth Alliance, einer Organisation, die Tiere mit solchen Krankheiten erforscht, die auf Menschen übertragen werden können. Seit dem Ausbruch des ursprünglichen SARS (heute als SARS-Cov-1 bekannt) im Jahr 2003 haben Wissenschaftler Coronaviren große Aufmerksamkeit gewidmet. Laut dem Bericht im Economist sagt Dr. Daszak, dass rund 16.000 Fledermäuse untersucht und rund 100 neue SARS-ähnliche Viren entdeckt wurden. Insbesondere einige in China gefundene Fledermäuse beherbergen inzwischen Coronaviren, die an die Infektion von Menschen angepasst zu sein scheinen. Die tierischen Wirte dieser Viren haben Versionen eines Proteins namens ACE 2, die dem Äquivalent bei Menschen sehr ähnlich sind. Dieses Molekül wird von SARS-ähnlichen Viren verwendet um an menschlichen Zellen anzudocken.

Bisher wurden solche Viren in erster Linie in China gefunden. In den anderen Ländern von Südostasien wurden sie lediglich weniger gesucht. Diese sind aber nach neueren Erkenntnissen sogar ein Hotspot für die Entwicklung von Viren, der die Vielfalt und das Auftreten von Fledermäusen widerspiegelt.

Dr. Daszak hält es für „sehr wahrscheinlich, dass Fledermäuse in Myanmar, Laos und Vietnam SARS-ähnliche Coronaviren tragen, möglicherweise eine große Vielfalt von ihnen, und dass einige von ihnen sehr nahe an SARS-Cov-2 dran sind“.

Immunität durch andere Coronviren

Jeremy Farrar, der Leiter des Wellcome Trust, einer großen Wohltätigkeitsorganisation für medizinische Forschung, und ehemaliger Professor für Tropenmedizin, vermutet, dass entweder SARS-Cov-2 oder ähnliches bei den Menschen in Teilen Südostasiens und Südchinas wahrscheinlich seit vielen Jahren im Umlauf ist. Dr. Farrar arbeitete 18 Jahre in Vietnam als Leiter einer Forschungseinheit der Universität Oxford. Er sagt, die Leute fangen Fledermäusen und verkaufen sie in schwunghaftem Handel auf Märkten, die dann in großen Städten wie Wuhan landen. Fledermäuse können eine große Vielfalt an Viren übertragen, ohne krank zu werden, und sind außerdem mobiler, als die Menschen glauben.

John Bell, Professor für Medizin an der Universität von Oxford, sagt, dass die vietnamesische Bevölkerung nicht so immunologisch „naiv“ ist, wie angenommen wurde. Die Verbreitung anderer SARS-ähnlicher Viren hätte eine allgemeine Immunität verleihen können. Wenn also ein neues Virus in der Region auftaucht, kann es die menschliche Bevölkerung nur dann infizieren, wenn es bis nach Zentralchina reist – wo die Menschen diesen natürlichen Widerstand nicht hatten.

Herdenimmunität rasch erreichbar

Damit wird die Vermutung unterstützt, dass eine Infektion mit einem Coronavirus Schutz vor anderen bieten kann und dass selbst in Ländern außerhalb des evolutionären Kessels Südostasiens ein Teil der Bevölkerung einen gewissen Schutz gegen die aktuelle Pandemie haben könnte. Insbesondere gibt es Hinweise darauf, dass der Schutz hauptsächlich über einen Teil des Immunsystems, durch die sogenannten T-Zellen (die durch Abtöten virusinfizierter Zellen wirken), und nicht über Antikörper (die durch Ankleben an Krankheitserregern wirken) gewährt werden könnte. Wenn dies der Fall ist, können serologische Studien, die sich mit Antikörpern befassen, die natürliche Immunität massiv unterschätzen.

Sunetra Gupta, Epidemiologin in Oxford, argumentiert, dass die natürliche Immunität gegen Covid-19 durch Infektionen mit saisonalen Coronaviren verliehen wird. Wenn dies richtig ist, hat dies Auswirkungen auf den Grad der Infektionen oder Impfung, der erforderlich ist, um die Herdenimmunität zu erreichen. Es wird allgemein angenommen, dass über 50% der Menschen geimpft werden müssen, um ein Wiederauftreten von SARS-Cov-2 zu verhindern. In einem am 15. Juli veröffentlichten Preprint sagt Professor Gupta, dass diese Zahl viel niedriger ist, wenn ein erheblicher Teil der Bevölkerung bereits resistent gegen Infektionen ist.

Oxford Studie: niedrige Schwelle für Herdenimmunität wegen vorhandener Abwehr gegen Coronaviren

Zwei Nachbarländer mit 0 Todesfällen: Kambodscha ohne und Vietnam mit Lockdown

Coronavirus T-Zellen sorgen für längere Immunität als Antikörper

 

 

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