Über 1400 Infektionen in Fleischfabrik Tönnies trotz Maskenpflicht

Die massiven Infektionen in der Fleischfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wurde laut einer Studievon einem einzelnen Arbeiter ausgelöst. Die Infektion weiterer Mitarbeiter erfolgte nicht, wie bisher angenommen, in den Unterkünften der Wanderarbeiter, sondern höchstwahrscheinlich am Arbeitsplatz im Umkreis von 8 Metern. Das Interessante dabei ist, dass im Unternehmen Maskenpflicht herrschte und es ungeachtet der permanent getragenen Masken zu Infektionen kam.

Im Juni wurden im Stammwerk des deutschen Fleischverarbeiters Tönnies 1413 von 6139 Personen positiv auf das neue Coronavirus getestet (inklusive Umfeld waren es 1766 Personen). Sterbefälle gab es soweit bekannt keine (IFR 0,0%), fünf Mitarbeiter mussten jedoch intensivmedizinisch betreut werden.

Als Ursache wurde zunächst in der Öffentlichkeit die Wohnsituation der Beschäftigten genannt. Die Wanderarbeiter sind zu mehreren in engen Apartments untergebracht, wo es kaum möglich ist, die notwendige soziale Distanz zu wahren.

Ein Team um Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig kommt jetzt jedoch zu einer anderen Erklärung. Die Forscher haben Gensequenzen der bei den Arbeitern nachgewiesenen Viren ausgewertet. Dadurch konnten sie den Beginn der Epidemie rekonstruieren. Der Index-Patient B1 (dessen Identität nicht be­kanntgegeben wurde), hat sich zusammen mit seinem Kollegen B2 vermutlich bei Angestellten des Fleischunternehmens Westcrown in Dissen angesteckt, bei dem es zuvor zu einem Ausbruch gekommen war.

B1 arbeitete in der Frühschicht mit 147 Arbeitern, die meisten davon an einem festen Punkt der 32 Meter langen und 8,5 Meter breiten Halle. Die Forscher konnten die genaue Position des Infizierten und auch die der Arbeiter in der Umgebung ermitteln. Sie fanden heraus, dass sich in den folgenden 3 Tagen überwiegend Mitarbeiter in der Umgebung von 8 Metern von B1 infizierten.

Diese aerosolartige Übertragung sei durch die Umluft-Klimatisierung der Luft auf 10 Grad begünstigt worden. HEPA Filter hat es offenbar in der Anlage nicht gegeben.

Was bisher in den Berichten untergegangen ist, wohl weil es in der Studie erst im Anhang auf Seite 22 beschrieben wird: Bei Tönnies galt zum Zeitpunkt des Ausbruchs eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz. Es seien “einfache einlagige Masken” verwendet worden. Diese konnten offenbar weder die Verbreitung des Virus noch die Ansteckung der übrigen Mitarbeiter verhindern.

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ild von Pixabay

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