Universität Oxford veröffentlicht Studie über erste Testphase ihres Corona-Impfstoffes

Derzeit sind drei Impfstoffe vor Beginn der Phase 2 mit groß angelegten Impfungen. Das sind die chinesische Firma Sinovac mit einem klassischen Verfahren mit inaktivierten Coronaviren, die Firma Moderna mit dem gentechnischischen mRNA Verfahren und die Allianz von Universität Oxford und Astra Zeneca mit dem gentechnischen Chimpanzee Adenovirus Type S Verfahren.

Nun hat letztere auch erste Ergebnisse ihrer klinischen Studie mit dem Impfstoff ChAdOx1 nCoV-19 (auch bekannt als AZD1222) veröffentlicht. Die vorläufigen Daten zeigen, dass es sicher ist und bei allen geimpften Freiwilligen eine starke Antikörperantwort erzeugt.

Diese Studie war das erste Mal, dass der Impfstoff an Menschen verabreicht wurde: 543 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 55 Jahren wurden mit einer Einzeldosis ChAdOx1 nCoV-19 geimpft. Weitere 534 Personen erhielten einen Kontrollimpfstoff, der ähnliche geringfügige Reaktionen hervorruft, einschließlich Rötung an der Injektionsstelle und leichten Schmerzen. Freiwillige lassen ihre Immunantwort (sowohl Antikörper- als auch T-Zell- Spiegel) mindestens 12 Monate lang überwachen und es wird auch beobachtet, ob sie COVID-19 entwickeln oder nicht.

Vorläufige Daten

Die vorläufigen Daten aus der Studie zeigen deutlich, dass der Impfstoff innerhalb von 28 Tagen eine Antikörperantwort hervorruft. Diese Reaktion liegt in einem ähnlichen Bereich wie bei Personen, die sich von COVID-19 erholt haben, was in beiden Fällen einen Schutz vor Infektionen erwarten lässt.

Zehn Freiwilligen wurde auch eine zweite Auffrischungsdosis des Impfstoffs verabreicht. Dies verstärkte die Antikörperantwort auf noch höhere Werte und 100% der Blutproben aus dieser Gruppe zeigten in einer Laborumgebung eine neutralisierende Aktivität gegen eine COVID-19-Infektion.

Der Impfstoff erzeugte auch T-Zellen, die spezifisch SARS-CoV-2 erkennen. Es ist ermutigend, sowohl Antikörper- als auch T-Zell-Reaktionen zu sehen, da dies nach derzeitigem Wissensstand an länger dauernde Immunität sichern sollte. Wichtig ist, dass der Impfstoff ein akzeptables Sicherheitsprofil aufweist, ohne durch den Impfstoff verursachte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse – dh ohne größere Nebenwirkungen.

Wie funktioniert dieser Impfstoff?

Impfstoffe trainieren das Immunsystem, um Infektionserreger (Krankheitserreger) wie Bakterien und Viren zu erkennen und abzuwehren. Impfstoffe tun dies, indem sie dem Immunsystem einen leicht identifizierbaren Teil eines Krankheitserregers präsentieren, an den sich das Immunsystem erinnert, damit es schnell reagieren kann, wenn es in Zukunft auf denselben Krankheitserreger stößt.

Ein Teil der Impfstoffe gehen den klassischen Weg mit inaktivierten oder stark abgeschwächten Viren, andere wieder konzentrieren sich darauf nuur das Spike-Proteins für das Immunsystem sichtbar zu machen, das an der Oberfläche des Virus sitzt. Es ist dieses Protein, das es dem Virus ermöglicht, in menschliche Zellen einzudringen.

Es gibt eine breite Palette von Ansätzen für das Impfstoffdesign. ChAdOx1 Ncov-19 ist das, was als bekannt ist viraler Vektor – Impfstoff . Um diesen Impfstoff herzustellen, werden Partikel eines anderen, harmlosen Virus (ChAdOx1) mit dem Teil der SARS-CoV-2-DNA beladen, der die menschlichen Zellen informiert, wie das Spike-Protein aufgebaut werden soll.

Wenn diese ChAdOx1-Partikel menschliche Zellen infizieren, wird die Coronavirus-DNA „exprimiert“ und bildet das Spike-Protein, auf das das Immunsystem reagieren kann. Wichtig für die Sicherheit des Impfstoffs ist, dass sich der virale Vektor nicht replizieren und eine anhaltende Infektion verursachen kann.

Phase 3

Nun wird eine größere Zahl, in der Regel einige Tausende oder Zehntausende, von Menschen geimpft und mit einer Kontrollgruppe verglichen, ob es zu Erkrankungen bzw Infektionen kommt. Eine absichtliche Infektion von Menschen mit dem Virus ist möglicherweise in Zukunft möglich (nach sorgfältiger Abwägung der ethischen Auswirkungen), ist jedoch derzeit nicht zulässig.

Aus diesem Grund wurde eine zweite Studie mit ungefähr 10.000 britischen Personen gestartet, die sich auf Gesundheitspersonal konzentriert. Weitere Studien werden in Brasilien und Südafrika durchgeführt, wo die Infektionsraten viel höher sind. Die erweiterte britische Studie wird Kinder und ältere Erwachsene umfassen, um die Wirksamkeit des Impfstoffs in diesen Altersgruppen abzuschätzen. Die Immunantworten bei Menschen über 70 sind häufig niedriger als bei jüngeren Erwachsenen.

Es ist wichtig, die durch den Impfstoff induzierte Immunantwort über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr zu verfolgen, um abzuschätzen, ob und wie oft Auffrischungsinjektionen erforderlich sind.

Vorbehalte und offene Fragen

Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin und des Zentrums für Pathophysiologie, warnte gegenüber dem ORF, dass „erst jetzt beginnt die heikle Phase“, in der sich klären wird: „Wie sehr wirkt ein Impfstoffkandidat in verschiedenen Risikopopulationen? Wie gut verträglich ist er? Wie lange hält der Schutz an?“

Sie übt in diesem Zusammenhang vor allem scharfe Kritik an der Pharmabranche. Regierungen stehen weltweit stark unter Druck, sich zur fixen Abnahme von großen Impfstoffmengen zu verpflichten, um sich so den Zugang zu einem Impfstoff zu sichern.

Sie würden damit Länder zwingen, Entscheidungen zu treffen, bevor es das dafür nötige gesicherte wissenschaftliche Wissen gibt. Denn welcher Impfstoff letztlich überhaupt wirksam ist und zugelassen wird, weiß heute keiner. Für die Expertin ist das ein „sehr unethisches Vorgehen“.

Andere Experten warnen insbesondere bei den gentechnischen Impfstoffen zur Vorsicht, denn es gibt noch eine Reihe offener Fragen, die eine sorgfältigen Untersuchung erfordern und eine Beobachtung über eeinen längeren Zeitraum um unerwünschte Langzeitwirkungen auszuschließen. Das ist bei der derzeit einngelegten „Warp-Speed“ einfach nicht möglich. Die offenen Fragen sind unter anderem:

  • Wie zielgenau und gewebe- oder zellspezifisch ist der Shuttle-Prozess?
  •  Erkennt unsere zelluläre Abwehr die modifizierten Zellen als fremd und vernichtet sie, wie sie es ja auch z.B. mit den von Viren befallenen Zellen macht?
  • Wie unterscheidet im Falle einer Infektion unser Immunsystem zwischen infizierten und modifizierten Zellen?
  • Wird durch diesen Vorgang eine selbstbegrenzende Reaktion ausgelöst, oder kann ein Massenzelltod (Apoptose) mit Zytokinsturm und Schockreaktionen ausgelöst werden?
  • Wie lange müssen die Wirkungen solcher Manipulation nachbeobachtet werden, um Autoimmunreaktionen oder Tumorinduktionen ausschließen zu können?
  • Wie gründlich hat man derartige ernste Risiken durch umfangreiche Tierversuche untersucht?

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