Der Neid auf Schweden und seine kühle Strategie

Im Nebel der Unklarheiten und einander widersprechenden Studien ist eines sicher: Keines der europäischen Länder hat nachhaltige und wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Virus ergriffen, das nicht schlimmer ist als andere Grippeviren, die wir in der jüngeren Vergangenheit durchgemacht haben. Schweden Bashing soll dies verschleiern.

Zur Relativierung und Einordnung der terrorisierenden Nachrichten über Covid-19, sollte erwähnt werden, dass die Hongkong-Grippe Pandemie von 1968 bis 1969 weltweit 1 bis 4 Millionen Todesfälle verursachte, gegenüber 424.000, die durch Covid-19, die bis 12. Juni 2020 gezählt wurden. Diese Zahlen sind, auch wenn alle andere Faktoren gleich wären, bereits erstaunlich. Um es noch erstaunlicher zu machen, ist zu beachten, dass die Weltbevölkerung 1969 bei 3,4 Milliarden lag; im Jahr 2020 sind es 7,8 Milliarden. Insgesamt ist also das Covid-19 rund 23-mal weniger tödlich als das Hongkonger Grippevirus von 1968.

Zurück zu den europäischen Entwicklungen: In Deutschland verursachte die Hongkong-Grippe von 1968 60.000 Todesfälle (deutsche Bevölkerung 1969: 60 Millionen; Covid-19 verursachte bis 12. Juni 2020 8.851 Todesfälle (deutsche Bevölkerung 2020: 83 Millionen). Insgesamt ist Covid-19 in Deutschland 10-mal weniger tödlich als das Grippevirus von Hongkong aus dem Jahr 1968.

Woodstock trotz Grippe Pandemie

Sicherlich hätten im Umgang mit der Grippepandemie von 1968 einige vernünftige Maßnahmen ergriffen werden können, beispielsweise die Vermeidung legendärer Open-Air-Konzerte wie Woodstock (damals war es mit mehr als 400.000 Menschen das größte Konzert, das jemals über mehrere Tage gespielt wurde, oft sogar im Regen).

Trotzdem ist es viel verrückter, im Jahr 2020 strenge Sperren zu verhängen, als 1968/69 Konzerte und andere massive öffentliche „Versammlungen“ zuzulassen. „Versammlungen“, die häufiger mit Waffen und Bomben als mit Hippie-Blumen „gefeiert“ wurden.

Kritik an Schweden – getrieben vom Neid oder Angst?

In Europa erleben wir jetzt jedoch eine seltsame Situation. Nachdem die europäischen Länder im Nebel der Pandemie (und danach) keine koordinierten Maßnahmen ergriffen haben, sind sich alle in einem Punkt einig: Sie beschuldigen Schweden, keinen strikten Lockdown verhängt zu haben.

Der schwedische Staatsepidemiologe Tegnell genießt trotz Kritik aus dem Ausland in Schweden noch immer breite Unterstützung dafür, dass er sein Land vor einem wahllosen Lockdown verschont hat.

Bis heute (12.06.2020) hat Schweden eine geringere Sterblichkeitsrate pro Million Einwohner als die von Belgien, Großbritannien, Spanien und Italien und das noch immer mit einigem Abstand. Tegnell, ein Profi und kein Clown, erklärte jedoch: „Es besteht eindeutig Verbesserungspotenzial für das, was wir in Schweden getan haben.“

Sicherlich werden wir von keinem der „Gurus“ der anderen EU-Staaten einen ähnlichen Fall echter Professionalität erleben. Nur wer eigene Maßnahmen einer objektiven Bewertung und Kritik unterziehen kann, ist in der Lage in Zukunft sein Handeln zu optimieren.

Die grundlegenden wissenschaftlichen Public-Health Regeln schließen strikte Sperrungen als wahllose und dauerhafte Maßnahme aus, die bei Pandemien angebracht sind.

Beim Coronavirus spielten Pflegeheime eine absolute Schlüsselrolle. In den meisten Ländern ereigneten sich ein bis zwei Drittel aller Covid19-Todesfälle in Pflegeheimen, in Kanada und einigen US-Bundesstaaten sogar bis zu 80%. Auch in Schweden, das keinen Lockdown verhängte, erfolgten 75% der Todesfälle in Pflegeheimen und Pflegewohnungen.  Der Lockdown verschlechterte die Situation in vielen vielen noch, rettete jedoch kein Leben.

Kritik an Schweden unter Verdrehung von Fakten

Es zeigt sich immer wieder, dass völlig irreführende Meldungen über Schweden verbreitet werden. So gestern und vorgestern. Es wurde getitelt „Schweden mit Rekordanstieg bei Corona Infektionen“, obwohl dann im Artikel erwähnt wird, dass neuerdings erheblich mehr und im Gegensatz zu früher auch Menschen mit geringen Symptomen getestet werden. Es ist längst bekannt, dass die Zahl der Infektionen von der Zahl der Tests abhängt: viele Tests, viele Infektionen. Die bestätigten Fälle haben nur wenig mit den tatsächlichen Infektionen zu tun. und die gehen auch in Schweden zurück. (Laut den Meldungen der Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten wurden am 10.6. 1427 Fälle gemeldet und am 11.6. waren es 196.)

Schweden ist in der Tat „schuldig“, Maßnahmen ergriffen zu haben, die das Gegenteil von dem sind, was andere Regierungen gemacht haben. Die Tatsache, dass es Schweden nicht schlechter geht als anderen Ländern, die strenge Sperren erlassen haben, ist eine Bedrohung für die Akzeptanz der Regierungen dieser Länder. Monatelange Inhaftierungen von gesunden Menschen zu Hause oder in Heimen, ergänzt durch Geldstrafen für das Joggen oder Radfahren, Geldstrafen, die in Österreich jetzt reihenweise von Gerichten gekippt werden.

Langfristige negative Auswirkungen

Dank Lockdown gab und gibt es in vielen Ländern massive gesundheitliche Kollateralschäden. In Italien gab es laut deren statistischen Zentralamt zwischen 20. Februar und 31. März eine Übersterblichkeit von 25.000 Menschen, aber nur 54% davon durch Covid-19; die Zahl von Infarkten ist angeblich um 40% zurückgegangen, also nicht behandelt worden; Tausende nötige Operationen und Behandlungen wurden verschoben; die psychischen Schädigungen sind noch nicht absehbar.

Die sich aus dem Lockdown ergebende Finanz- und Wirtschaftskrise wird sich vermutlich auf unser Leben noch Jahre auswirken. Konkurse und massenhafte Arbeitslosigkeit sind in Ländern wie USA schon voll im Aufschwung, in Europa erst für Herbst erwartet. Einige Schichten von Menschen werden sich auf lange Sicht nicht von den verheerenden Auswirkungen der Sperren erholen, sowohl psychologisch als auch finanziell.

Schweden kann feststellen, dass die Dinge bei den anfänglichen Unsicherheiten der Pandemie besser hätten gehandhabt werden können, indem es von seiner Bevölkerung zusätzliche Anstrengungen verlangt hätte. Andere EU-Länder können das nicht. Sie haben der Bevölkerung massive Opfer auferlegt und die Grundfreiheiten eingeschränkt. Die Erkenntnis, dass auch weniger weit gehender Maßnahmen ausgereicht haben,würde zu erheblicher Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik führen.

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