Österreich: Experten wollten Schutz Gefährdeter statt Lockdown

Die Folgen des Lockdown und der anderen Maßnahmen treffen Österreich so schwer wie noch nie: 550.000 Arbeitslose und 1,3 Millionen in Kurzarbeit und Hundetausende Selbständige, Künstler sowie Klein- und Kleinstfirmen ohne Einkommen. Die versprochenen Hilfen treffen nicht oder zu spät ein und sind vielfach nur der ‚Tropfen auf dem heißen Stein‘.

Von der Regierung wurden die getroffenen Maßnahmen als unausweichlich hingestellt, wolle man nicht Hunderttausend Tote in Kauf nehmen. Panik wurde geschürt, statt Erklärung gegeben und gezielte Maßnahmen gesetzt. Das zeigen jetzt die an den Falter geleakten Protokolle der Beraterstäbe im Gesundheits- und Innenministerium.

Angst statt Vernunft

Vor zwei Wochen sorgte schon ein an Ö1 gelangtes geleaktes Gesprächsprotokoll aus dem Beraterstab von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) für Schlagzeilen. Das Morgenjournal berichtete als erstes Medium darüber.

Darin wurde bestätigt, was aufmerksame Beobachter seit Wochen diagnostizierten und kritisierten: Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) setzt bei der Umsetzung der Maßnahmen auf „Gehorsam durch Angst“ statt auf Aufklärung und Hausverstand. Damit sollte es leichter werden der Bevölkerung Volk auch Einkommensverluste, wirtschaftlichen Schaden, Arbeitslosigkeit und mangelnde Bildungsmöglichkeiten für Kinder zu verkaufen.

Kanzler Kurz hörte nach eigener Aussage auf den israelischen Premier Benjamin Netanjahu. Erst eine Telefonkonferenz mit ihm und mehreren EU-Premiers am 9. März habe ihn „wachgerüttelt“ und den Ernst der Coronakrise erkennen lassen.

Gegen den Rat der Experten

Nun zeigen weitere Protokolle, die der Falter besitzt, dass die Experten keinen Lockdown wollten, Geschäfte, Schulen und Universitäten nicht schließen und die Wirtschaft und das Bildungssystem nicht an die Wand fahren wollten.

Laut Falter wurden „Warnungen der Gesundheitsexperten vor Engpässen bei Schutzausrüstung und Tests … viel zu spät aufgegriffen. Die Strategie des nationalen Krisenstabs – er setzte auf Kontrollen und „Cocooning“, also Isolation und Absonderung kranker Personen in „zentralen Unterbringungen“ wie Kasernen – wurde gar nicht oder nur wenig berücksichtigt.“ Diese Strategie haben Südkorea, Hongkong, Japan und die chinesische Provinz Guangdong äußerst erfolgreich vorexerziert.

Der Falter weiter:„Freitag, 28. Februar, 14 Uhr: Im Innenministerium präsentiert die „Planungszelle“ des „SKKM Koordinationsstab Sars-CoV-2/Covid-19“ ihre Überlegungen. So wie die Experten in Anschobers Expertenbeirat setzen auch die Sicherheitsstrategen auf „Isolieren und Schützen“. „Die Masse der Verdachtsfälle“ soll „dezentral mittels Verkehrsbeschränkung isoliert“ werden, die „Überwachung (Bestreifung)“ soll durch die Exekutive erfolgen, …“

Der Leiter der Humanmedizin der Ages, der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, Franz Allerberger, hält die Maßnahmen wie Schließung von Schulen und Kindergärten für „problematisch“.

Wichtig wäre, „die Kinder von den Großeltern möglichst fernzuhalten“. Ivo Steinmetz, Vorstand des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Med-Uni Graz, pflichtet ihm bei: „Ältere Menschen sollten persönliche soziale Kontakte möglichst einschränken. Die Absage von Veranstaltungen mit jungen Menschen ist gar nicht so wichtig wie der Schutz der älteren Personen.“

Der Entschluss zum Lockdown mit Angstparolen

All das wurde nicht umgesetzt. Am Donnerstag 12. März werden dann die am 13. verkündeten und ab 16. März geltenden Maßnahmen beschlossen. Zu den Experten gesellten sich erstmals Kanzler und Vizekanzler aus dem Kurz mit dem Angsmotiv herausgeht: „Die Menschen sollen Angst vor einer Ansteckung haben, Angst davor, dass die Eltern und Großeltern sterben“, wird im Protokoll festgehalten. „Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist“, „100.000 Tote“, „Lebensgefährder“ und „Lebensretter“, das sind die Worte, die vor allem Kurz und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP), aber auch Werner Kogler (Grüne) dann verwenden.

Kritik der Experten und späte Maßnahmen

Nicht alle der Experten wollen da mitmachen. Der Public Health Experte Martin Sprenger verlässt den Beraterstab um sich der wissenschaftlichen Arbeit zu widmen und um wieder frei seine Meinung sagen zu können.

Noch ein interessantes Mail liegt dem Falter vor: „Wir sollten versuchen, die derzeitige Sprachregelung bald zu ändern und möglichst schnell von der Botschaft ‚ganz gefährliches Virus‘ wegkommen“, warnt Ages-Experte Allerberger schon am 14. März sein Beraterkollegium. „Das Virus ist so weit verbreitet, dass alles andere dazu führen wird, alles lahmzulegen, was Kollateralschäden verursacht, die weit über Covid-19 hinausgehen. Jede Botschaft, die als ‚ganz gefährliches Virus‘ missinterpretiert werden kann, ist kontraproduktiv. Sars-CoV-2 ist für über 80 Prozent der Bevölkerung nicht gefährlich.“

Auffallend ist, wie spät sich die österreichische Regierung um die Sache gekümmert hat. Insbesondere die Beschaffung von Schutzausrüstungen Tests und andere medizinische Materialien hätten schon in Angriff genommen werden müssen nach der Ende Januar erfolgten Warnung der WHO an alle Regierungen.

Chemie Nobelpreisträger Michael Levitt, Professor für Strukturbiologie an der Stanford University, beurteilt Österreich skeptisch: „Und die stärksten Verlierer sind Österreich, Australien und Israel, die ohne viele Fälle strikte Sperren hatten. Sie haben ihre Wirtschaft und Gesellschaft geschädigt, die Bildung ihrer Kinder geschädigt, aber keine Herdenimmunität erlangt.“Hoffentlich hat er unrecht.

Hier geht‘s zum Falter Artikel.

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2 Kommentare zu „Österreich: Experten wollten Schutz Gefährdeter statt Lockdown

  1. Und nicht einmal jetzt heben BKK und Konsorten die Massnahmen auf. An wessen Gängelband hängt unsere Regierung?

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