Modell Schweden zur Bewältigung der Coronakrise erfolgreich

Ein schwedischer Publizist erklärt im britischen Spectator: „Es ist nicht Schweden, das ein Massenexperiment durchführt. Es sind alle anderen Länder, die das tun.“ Schweden ist wegen seiner lockeren Maßnahmen unter internationaler Kritik. Es zeichnet sich jedoch ab, dass das Land damit besser abschneiden wird, als alle andere mit der harten Linie.

In einer Betrachtung, die auch Kollateralschäden einbezieht durch nicht erfolgte ärztliche Behandlung von Nicht-Corona Fällen, Schäden und Traumatisierungen die Kinder durch die Isolierung erleiden, sowie Folgeschäden durch die wirtschaftlichen Probleme, schneidet aber Schweden besser ab als die Länder, die den Shutdown und Quarantäne durchgezogen haben.

Positive Presseberichte

Das Luxemburger Tageblatt berichtet, dass Schwedens „lockere Strategie zu Covid19 zu funktionieren scheint“. Trotz minimaler Maßnahmen und viel internationaler Kritik scheine sich die Lage „derzeit deutlich zu beruhigen“.

Ein riesiges Feldlazarett, das bei Stockholm aufgebaut wurde, bleibt mangels Bedarf weiterhin geschlossen. Die Anzahl der Patienten auf Intensivstationen ist gleichbleibend auf niedrigem Niveau oder sogar leicht rückläufig. „Es gibt viele freie Plätze in den Intensivstationen in allen Stockholmer Krankenhäusern. Wir nähern uns der Abflachung der Erkrankungskurve“, erklärte ein Oberarzt der Karolinska Klinik. Ähnlich in der durch den Aufenthalt von Lisbeth Salander im letzten Band der Millennium Trilogie bekannt gewordenen Sahlgrenska Universitätsklinik in Göteborg. Auch hier freie Betten in der Intensivstation und im Feldlazarett.

Was ist anders in Schweden

Restaurants, Geschäfte und Betriebe wurden nie geschlossen. Es wird aber dringend empfohlen Abstand zu halten, Hände zu waschen und unbedingt zu Hause zu bleiben so man sich krank fühlt. Unwichtige Reisen soll man unterlassen und wenn möglich, im Home  Office arbeiten. Ältere und kranke Menschen sollte man möglichst nicht besuchen.

Schulen wurden nie geschlossen, nur Universitäten und die älteren Jahrgänge werden online unterrichtet.

Die Maßnahmen in Schweden entsprechen übrigens weitgehend denen in Japan, die ebenfalls sehr gut unterwegs sind. Schweden, das bisher ohne radikale Maßnahmen auskommt und keine erhöhte Mortalität meldet (ähnlich wie asiatische Länder wie Japan oder Südkorea), wird von internationalen Medien bemerkenswerterweise unter Druck gesetzt, seine Strategie zu ändern.

Mediziner zum Lockdown

Professor Dan Yamin, Direktor des Forschungslabors für Epidemien an der Tel Aviv Universität, erklärt in einem Interview, dass das neue Coronavirus für einen Großteil der Bevölkerung „wenig gefährlich“ sei und eine rasche natürliche Immunität das Ziel sein müsse. Der Schaden durch einen Lockdown sei enorm, mit diesem Geld könne man besser eine neue Klinik bauen.

Der Präsident des israelischen Nationalen Forschungsrats, Professor Isaac Ben-Israel, argumentiert, dass die Corona-Epidemie nach bisherigen Erkenntnissen in den meisten Ländern nach ca. 8 Wochen vorbei sei, unabhängig davon, welche Maßnahmen getroffen werden. Er empfiehlt deshalb, den „Lockdown“ umgehend aufzuheben.

Professor Ansgar Lohse, Direktor an der Hamburger Universitätsklinik, erklärtin einem Interview: „Die schwedischen Maßnahmen sind meines Erachtens die rationalsten weltweit. Natürlich stellt sich die Frage, ob das psychologisch durchzuhalten ist. Anfänglich müssen die Schweden mit deutlich mehr Todesfällen rechnen, die sich aber mittel- bis langfristig dann deutlich reduzieren. Abgerechnet wird in einem Jahr – wenn die Schweden es durchhalten. Die Angst vor der Virusinfektion zwingt Politiker leider oft zu Handlungen, die nicht unbedingt vernünftig sind. Die Politik ist getrieben, auch durch die Bilder der Medien.“

Die Zahlen

Laut dem schwedischen Chefepidemiologen Anders Tegnell habe Stockholm bezüglich Covid-Infektionen inzwischen ein „Plateau“ erreicht. Er ist es übrigens auch, der in den Pressekonferenzen die Bevölkerung informiert und nicht die Politiker.

Per 15. April wurden 1203 Tote registriert, die mit dem Coronavirus infiziert waren. Seit dem Ausbruch wurden 954 Personen auf der Intensivstation behandelt, per 15.4. waren es aber nur mehr 530, sowie ungefähr 300 ohne Coronavirus Infektion. Es wurden nur 54 Ts Tests gemacht, verglichen mit 156 Ts in Österreich. Folglich ist auch die Zahl der bestätigten Infektionen deutlich niedriger als die in Österreich. Die Rechnung Todesfälle pro Infizierten daher auch völlig sinnlos.

Der Erfolg oder Misserfolg muss sich aber noch beweisen. Und zwar in einer Gesamtbetrachtung von allen vier Bereichen nämlich gesundheitliche Schäden und Todesfälle durch Covid-19; sonstige gesundheitliche Schäden und Todesfälle durch eingeschränkten medizinischen Betrieb bzw eben durch dessen Nicht-Einschränkung; Schädigungen von Kindern durch Schulschließungen und dessen Ausbleiben; wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitslosigkeit etc.

Anzunehmen ist, dass die Durchseuchung und Herdenimmunität in Schweden bereits viel weiter fortgeschritten ist als in Österreich und anderen Ländern mit hartem Lockdown. Deshalb werden in Schweden die Infektionen und damit die Todesfälle stärker zurückgehen und bei gleicher Bevölkerungszahl wird es zu einer Angleichung im Laufe des Jahres kommen. Eine allfällige zweite Welle wird Schweden entweder gar nicht oder doch wesentlich schwächer treffen.

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Bild von PaulMoore auf Pixabay

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