Warum einige europäische Länder so wenige Erkrankungen haben

Mit Stand 2. April 2020 gibt es nur 10 Länder weltweit, deren Todeszahlen mit einer nachgewiesenen Infektion mit Coronavirus 1000 Tote übersteigt. Und zwar gezählt im Zeitraum Jänner bis Anfang April. Alle anderen Länder haben deutlich geringere Zahlen, so zB meldet Schweiz als die Nummer 11 auf der Liste  nur mehr 536 Todesfälle.

Nach der Einschätzung Prof. Hendrik Streeck, leitender Virologe der Uniklinik Bonn, könnte es sein, dass die Sterblichkeit nach Ende der Infektionswelle nicht höher als in den vergangenen Jahren liegen wird. Bei Stern TV sagt er: „Einige Experten zeichnen Horror-Szenarien, andere sehen es mit kühlem Kopf. Wäre uns das Virus nicht aufgefallen, hätte man vielleicht gesagt, wir haben dieses Jahr eine schwerere Grippewelle.“

Stark unterschiedliche Fallzahlen in Europa und weltweit

Sieht man sich die laufend aktualisierten Fallzahlen auf Worldometers an, so wird rasch deutlich, dass es in Asien, Lateinamerika und Afrika überwiegend Länder mit sehr geringen Fallzahlen gibt. Über Japan habe ich ausführlich hier berichtet, Vietnam kommt bei 96 Millionen Einwohnern gerade einmal auf 233 Fälle. In Lateinamerika ist gerade Brasilien etwas stärker betroffen, aber etwa Argentinien kommt gerade mal auf 1265 Fälle und auch die meisten anderen Länder bewegen sich in diesem Bereich. Zumindest derzeit noch.

Auch Europa hat Länder mit sehr geringen Fallzahlen. Finnland kommt auf 1518, Serbien auf 1171, Griechenland auf 1544, unser Nachbarland Tschechien auf 3858 bei 44 Todesfällen oder die Slowakei, die ebenso wie Tschechien Masken-Pflicht hat, auf 426 Fälle bei einem Toten.

Interessant ist Schweden, das auf Sperren von Geschäften, Firmen und Schulen verzichtet, aber gefährdete Menschen stärker schützt. Mit 5568 Erkrankten liegt man noch immer weit hinter Österreich, obwohl um 1,3 Millionen mehr Einwohner zu verzeichnen sind.

Europäische Todesfall Statistik – was ist normal?

Gerade zur Abschätzung von Pandemien wurde 2008 das europaweite Projekt EuroMomo gestartet. Ziel war es, in Echtzeit die standardisierte Gesamtmortalität in Europa darzustellen. Ein Update findet wöchentlich statt.

Vorteil dieses Instruments ist, dass sich viele Verzerrungen in beide Richtungen aufheben und somit sehr valide Daten in Bezug auf den wichtigen Endpunkt „Tote“ geliefert werden.  Nachteil ist, dass viele regionale, spezifische Ursachen in den Kurven nicht abgebildet werden, da sie im „Grundrauschen“ der Gesamtsterblichkeit bzw. Übersterblichkeit (0zusätzliche Fälle durch Epidemien) untergehen. EuroMomo stellt derzeit jedoch die valideste Datenbasis dar. Die Verspätungen dürften beim derzeitigen Fokus der Behörden auf die taggenaue Feststellung und Veröffentlichung der Totenzahlen vergleichbar gering sein.

Bis jetzt (Woche 13/2020) war auf europäischer Ebene noch keine besondere Erhöhung der Todeszahlen messbar. Selbst leichte Ausschläge wie bei vorherigen Jahren, die durch mehr Grippetote in den Wintermonaten ausgelöst waren, sind auf gesamteuropäischer Ebene nicht sichtbar. In Italien und Spanien gibt es seit wenigen Wochen eine  Abweichung nach oben, wie am Bild oben in der dunklen Färbung erkennbar, die aber bisher noch unter den Peaks der Vorjahre liegt.

Das ist in dieser Statistik der Todesfälle seit 2016 deutlich sichtbar. Im Jahr 2017 gab es dank Grippewelle zwei starke Anstiege im Jänner und gegen Ende des Jahres. Heuer ist dagegen keine Erhöhung sichtbar.

EuroMomo-2

Eine wichtige Frage ist also: sind die gezählten Toten, die Covid19 positiv getestet wurden, ein normaler Teil der Toten, die im Durchschnitt und eventuell saisonal verstärkt zu verzeichnen sind?

Es wäre dann durchaus denkbar, dass sich zwar zweifellos ein neuer Virus in der Bevölkerung exponentiell ausgebreitet hat, jedoch ohne relevant die Gesamtsterblichkeit zu beeinflussen. In diesem Fall wären die getroffenen Maßnahmen völlig sinnlos und würden, statt präventiv zu wirken, enormen Schaden in vielen Bereichen unseres Lebens anrichten. Diese Frage wird selten diskutiert.

Wann und wo kann man sich anstecken?

Im ZDF bei Markus Lanz am 31.3. berichtet Streek von seinen detaillierten Studienergebnissen, dass Ansteckung über Türschnallen, im Bus oder Restaurant nicht beobachtet wurde.  Lediglich bei der Party oder im Stadion wie in Ischgl, einem Klub in Berlin oder im Fußballstadion von Bergamo kommt es zur Ansteckung. Große Nähe über mindestens 10 bis 15 Minuten sind erforderlich.

Mehr dazu:

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