Benzin, Diesel, Elektro – Fahrspaß und Umweltschutz

Die Kontroversen rund um Diesel und den Betrug der Autobranche schlagen derzeit hohe Wellen. Ich möchte hier einiges an den Falschmeldungen richtigstellen. Als Kandidat der Liste Pilz (Landesliste NÖ und Wahlkreis 3A Weinviertel) ist mir Umweltschutz ein wichtiges Thema und daher auch Elektromobilität.

Also, ich gestehe es gleich vorweg – ich bin ein begeisterter Fahrer von Diesel-PKWs, seitdem ich in den späten 90er Jahren von einem Alfa 156 2,5 V6 auf einen 2,4 JTD umgestiegen bin. Nicht nur wurde der Treibstoffverbrauch fast gedrittelt, sondern die Fahrcharakteristik des Kompressionszünders mit seinem schon bei sehr niedrigen Drehzahlen einsetzenden hohem Drehmoment macht einfach mehr Spaß.

Und ich blieb ein Diesel-Fan, bis ich nach 2010 einmal die Gelegenheit hatte einen Tesla Roadster zu fahren. Der Fahrspaß damit ist nämlich noch unvergleichlich höher. Der E-Motor hat das volle Drehmoment schon ab bei Drehzahl 0 und bleibt in einem größeren Bereich  konstant. Die Leistung steigt zunächst linear an, bleibt dann konstant und sinkt erst bei höheren Drehzahlen langsam ab. Kein Vergleich zu einem Benziner oder Diesel, die nur in einem relativ schmalen Drehzahlband ein ordentliches Drehmoment und die optimale Leistung liefern.

Torque

Im Diagramm zu sehen das Drehmoment der Drehstrom-Asynchronmaschine des Tesla Model S in rot und die Leistung in blau, beides gegen die Geschwindigkeit aufgetragen.

Die Folge dieser völlig anderen Motorcharakteristik ist, dass weder Kupplung noch Gangwechsel-Getriebe benötigt werden.

Maßnahmen zum Umweltschutz bei Benzin

Den Fahrspaß haben wir damit abgehakt, er ist beim E-Auto bei weitem am größten. Kommen wir nun zur Umwelt.

Den Umweltschutz durch Katalysatoren verdanken wir Kalifornien.  In den späten 1970er Jahren wurde die Luft in Los Angeles immer unerträglicher und gesundheitsschädlicher. Als Maßnahme gegen den „Photosmog“ („Los Angeles-Smog“) wurde die Einführung des sog. Dreiwegekatalysators für Ottomotoren Ende der 1970er Jahre in Kalifornien gesetzlich vorgeschrieben.

Der Kat bewirkt die wesentliche Reduktion der drei Schadstoffe CO, unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC) und NOx in einem einzigen Schritt. Bei einem geregelten Dreiwegekatalysator (G-Kat) finden die Oxidation von CO und HC sowie die Reduktion von NOx parallel zueinander statt. Dabei werden unverbrannte Kohlenwasserstoffe mit Sauerstoff zu CO2 und H2O oxidiert, CO mit Sauerstoff ebenfalls zu CO2 umgesetzt und NOx mit CO zu Stickstoffgas, Sauerstoff und CO2 umgewandelt. Voraussetzung für den Einsatz eines Dreiwege-Katalysators ist unverbleiter Kraftstoff, welcher Mitte der 1980er Jahre auch bei uns eingeführt worden ist. Zu Beginn gab es noch eine Förderung von 7.000 Schilling für die ersten Modelle mit Kat.

Maßnahmen zum Umweltschutz bei Diesel

Dieselmotoren haben grundsätzlich einen höheren Wirkungsgrad und verbrauchen daher weniger Treibstoff. Das ist nicht nur erfreulich beim Tanken und bei der Reichweite, sondern auch gut für die Umwelt, da damit der CO2 Ausstoß pro gefahrenem Kilometer reduziert wird.

Es gibt ein großes ‚Aber‘. Dieselmotoren erzeugen – bei Turboaufladung besonders stark – prozessbedingt wesentlich mehr NOx als Ottomotoren. Der permanent hohe Luftüberschuss in der Flamme und höhere Verbrennungstemperaturen begünstigen die chemischen Reaktionen, die zur Oxidation des Luftstickstoffs führen.

Hinzu kommt, dass aufgrund des höheren Luftanteils während der Verbrennung kein Dreiwegekatalysator wie beim Ottomotor eingesetzt werden kann. Bei den neuesten Euro 6 Dieselmodellen sollte durch Harnstoff NO und NO2 zu Wasser und Stickstoff  umgewandelt werden. Bei den modernen LKW funktioniert das auch, denn der Fahrer tankt regelmäßig die dafür benötigte Flüssigkeit nach. Bei den PKW haben sich die Hersteller auf den Einbau kleiner Tanks verständigt und hoher Überschreitung der Grenzwerte im Normalbetrieb. Die Grenzwerte werden nur am Prüfstand eingehalten und die Harnstofftanks jeweils beim Service nachgefüllt. Das nennt man Betrug.

Was ist an den Stickoxiden so gefährlich?

Niemand würde auf die Idee kommen, an Salpetersäure (HNO3) zu schnüffeln. Salpetersäure oder salpetrige Säure entsteht aus NO2 oder NO. Sie schädigen die Gesundheit von Mensch, Tier und Vegetation in vielfacher Weise unmittelbar; im Vordergrund steht die stark oxidierende Wirkung von Stickstoffdioxid (NO2). Außerdem tragen sie als Vorläuferstoffe zur Bildung von bodennahem Ozon und sekundärem Feinstaub bei, wirken überdüngend und versauernd und schädigen dadurch auch die Vegetation und den Boden.

Für den Menschen ist die Reizwirkung von Stickstoffdioxid auf Schleimhäute in den Atmungsorganen und den Augen an erster Stelle zu nennen. Akut treten Hustenreiz, Atembeschwerden und Augenreizung auf. Die Aufnahme erfolgt über die Atmung und kann unter Schädigung der Atemwege zu weiteren Störungen führen. Eine Zunahme von Herz- und Kreislauferkrankungen wird beobachtet und eben auch ein vermehrte Zahl von Todesfällen.

Hohe Konzentrationen oder geringere Konzentrationen über kürzere Zeit sind daher extrem gesundheitsschädlich. Die Schädigungen wirken kumulativ über die Zeit. Deshalb die niedrigen Grenzwerte.

In Medien wird immer wieder behauptet, dass in Büros oder in der Arbeit 23-fach höhere Grenzwerte erlaubt sind. Das ist schlicht Quatsch. Der höhere Wert gilt lediglich bei der Produktion von Dynamit – da wird Salpetersäure verarbeitet – oder beim Schweißen, wo auch Stickstoff dank der extrem hohen Temperaturen ‚verbrannt‘ wird. Und bei beiden Arbeiten sind Schutzmaßnahmen und ärztliche Überwachung vorgeschrieben.

Antriebe im Vergleich

Die deutsche Autoindustrie lobbyiert mit Fake-Zahlen immer wieder gegen E-Autos. Medien sind jüngst voll von solchen Berichten.

Laut einer Studie des Umweltbundesamtes schneiden aber E-Autos hervorragend ab:

  • Gesamtemissionen (vorgelagerte Herstellung des KFZ + des Treibstoffes + der Betrieb): E-Auto rund 50 g /km Emission im Vergleich zu 200-260 g /km Benzin/Diesel KFZ

Wobei beim E-Auto die Erzeugung des Stromes eine wichtige Rolle in der Ökobilanz spielt. Aber da ist gerade Österreich auf einem gutem Weg, denn der Anteil aus erneuerbaren Quellen ist traditionell hoch und wächst weiter.

Fazit

Unter dem Strich schneidet das E-Auto bei entscheidenden Kriterien besser ab als ein Benziner oder Diesel, nämlich bei Umweltfreundlichkeit und Fahrspaß. Ein Schwachpunkt bei den günstigen Modellen ist noch immer die Reichweite. Mit dem neuen Nissan Leaf 2018 bekommt man nun ein Modell mit 375 km Reichweite und ab Anfang nächstem Jahres eines mit 500 km.

Auch bei den Kosten gibt es (noch) Nachteile. Laut ADAC sind mit einem geplanten Zuschuss von 4000 Euro nur zwei von zwölf E-Autos günstiger pro Kilometer als die in Ausstattung und Leistung vergleichbare Diesel- oder Benzinvariante – der Mercedes B 250 e (minus 3,6 Cent/km gegenüber Benziner) und der Kia Soul EV (minus 0,9 Cent/km gegenüber Diesel, minus 0,6 Cent/km gegenüber Benziner). Wobei die Berechnungen sich nur auf die Modelle des Jahres 2017 beziehen, die Modelle des nächsten Jahres mit höherer Reichweite aber noch nicht bewertet wurden.

Gerade bei den Kosten wird sich in nächster Zeit mit zunehmender Konkurrenz einiges zugunsten der E-Autos verschieben, ebenso bei der Reichweite. Und wer ein Haus mit Photovoltaik Anlage hat, kann weitere Vorteile lukrieren.

Und noch eins: Die betrogenen Autofahrer müssen endlich ein Mittel in die Hand bekommen mit Sammelklagen auch gegen mächtige Konzerne vorzugehen. Das fordert einer unser Spitzenkandidaten, der Verbraucherschutzexperte Peter Kolba.

Disclaimer: Peter F. Mayer kandidiert auf der Liste Pilz Niederösterreich, sowie im Wahlkreis 3a Weinviertel.

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